Trends 2026: Wirkung wird zur neuen Währung im Stiftungsfundraising

Janine Keller • 29. Juni 2026
Kugelstosspendel

Mit dem Stiftungsreport 2026 präsentieren SwissFoundations, das Zentrum für Stiftungsrecht der Universität Zürich und das Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel eine umfassende Analyse des Schweizer Stiftungssektors. Ein Thema ist für NPOs besonders interessant: die zunehmende Wirkungsorientierung von Förderstiftungen.


Die nachfolgenden vier Trends aus dem Stiftungsreport 2026, von denen einige besonders international gut belegt sind, beeinflussen die Zusammenarbeit von Stiftungen und NPOs zunehmend.


Systemischer Wandel statt Einzelprojekte


Viele gesellschaftliche Herausforderungen lassen sich nicht durch einzelne Projekte lösen. Systemischer Wandel in Bereichen wie beispielsweise der Armutsbekämpfung, der Bildung oder dem Klimawandel verlangt ein Verständnis komplexer Zusammenhänge.


Darauf reagieren Förderstiftungen mit einem Perspektivenwechsel. Sie fragen sich zunehmend, wie ganze Systeme verändert werden können. Sie übernehmen neue Rollen als Vernetzerinnen und Prozessbegleiterinnen – «Collective Action» rückt in den Mittelpunkt.


  • Für NPOs wird es tendenziell schwieriger, sich allein über einzelne Projekte zu positionieren – insbesondere gegenüber Organisationen, die ihre Rolle im grösseren Kontext klar darstellen können. Wer nachvollziehbar zeigen kann, welchen Beitrag die eigene Arbeit über das einzelne Projekt hinaus leistet, verbessert seine Chancen, für wirkungsorientierte Stiftungen relevant zu sein.


Evidenzbasierung gewinnt an Bedeutung


Auch im Bereich der Wirkungsmessung beschreibt der Stiftungsreport eine grundlegende Entwicklung. Fortschritte in der Datenerhebung und wissenschaftlichen Wirkungsforschung ermöglichen es heute, die Wirksamkeit von Interventionen deutlich präziser zu analysieren als noch vor wenigen Jahren. Immer mehr Stiftungen orientieren ihre Förderentscheide an wissenschaftlicher Evidenz und vorhandenen Forschungsergebnissen. 


  • Eine nachvollziehbare Wirkungslogik gewinnt damit an Bedeutung. Das muss nicht kompliziert sein. Zeigen Sie beispielsweise auf, welche Aktivitäten über welche Schritte zu welchen Veränderungen führen, und stützen Sie sich wo möglich auf bestehende Forschungsergebnisse. NPOs, die ihre Wirkung klar und plausibel darstellen können, werden in Auswahlprozessen oft als überzeugender wahrgenommen – auch ohne aufwendige Evaluationssysteme. Kleinere Organisationen können sich dabei beispielsweise mehr auf Verständlichkeit und Anschlussfähigkeit stützen als ein aufwendiges Messsystem.


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Mehr Vertrauen und gemeinsames Lernen


Mit der stärkeren Ausrichtung auf Wirkung verändert sich auch die Art der Zusammenarbeit zwischen Stiftungen und Förderpartnern. An die Stelle reiner Erfolgskontrolle tritt ein gemeinsamer Lernprozess, in dem auch Herausforderungen und Kursanpassungen offen kommuniziert werden. Das bedeutet, dass Vertrauen an Bedeutung gewinnt und Transparenz eine grosse Rolle spielt.


  • Reine Erfolgsberichte reichen dabei zunehmend weniger aus, um Vertrauen aufzubauen. Berichte von NPOs, die neben Erfolgen auch Herausforderungen benennen und zeigen, wie die Organisation damit umgegangen ist, wirken glaubwürdiger als reine Erfolgsdarstellungen. Stiftungen achten vermehrt darauf, ob Organisationen mit Herausforderungen reflektiert umgehen und daraus lernen. Damit zeigen NPOs auch, dass sie lernen und Anpassungen vornehmen, falls nötig.


Unternehmerische Förderung nimmt zu


Der Stiftungsreport zeigt zudem, dass unternehmerische Förderansätze wie Matching Funds, rückzahlbare Darlehen und hybride Finanzierungsmodelle im Schweizer Stiftungssektor zunehmend an Akzeptanz gewinnen.


Mehrere Kantone haben entsprechende Förderformen bereits zugelassen oder ihre Praxis angepasst. Gleichzeitig beschäftigen sich laut einer vom CEPS im Auftrag von UBS Social Impact and Philanthropy durchgeführten Umfrage rund die Hälfte der befragten Schweizer Förderstiftungen aktiv mit dem Thema.


  • Deshalb lohnt es sich für NPOs, sich über neue Fördermodelle zu informieren. Matching Funds sind besonders attraktiv: Sie belohnen diversifiziertes Fundraising und können das Spendenvolumen gezielt hebeln. Solche Instrumente können für einige NPOs einen zusätzlichen Hebel darstellen – insbesondere dann, wenn bereits Zugang zu mehreren Finanzierungsquellen besteht. Bevor Sie sich jedoch für solche Fördermodelle entscheiden, stellen Sie sich folgende Fragen: Haben Sie die Ressourcen, um zusätzliche Mittel tatsächlich zu mobilisieren? Passt das Modell zu Ihrer Finanzierungsstruktur und Ihrem Risiko? Entsteht ein echter Vorteil – oder nur zusätzlicher Aufwand?


Zusammengefasst lässt sich sagen: nachvollziehbare Wirkung, strategische Partnerschaften, Qualität der Zusammenarbeit und unternehmerisches Denken gewinnen an Bedeutung im Stiftungsfundraising. Diese Entwicklungen dürften jedoch nicht alle NPOs gleich betreffen. Organisationen, die ihre Wirkung klar darstellen und strategisch anschlussfähig sind, können davon besonders profitieren. Gleichzeitig könnte es für andere anspruchsvoller werden, sich ausreichend zu differenzieren.


NPOs, die sich als lernbereite, transparente und wirkungsorientierte Partnerinnen positionieren, schaffen eine optimale Basis für nachhaltige Förderbeziehungen – und profitieren gleichzeitig von Stiftungen, die mehr als nur Geldgeberinnen sein wollen. Unverändert zentral bleiben: die Glaubwürdigkeit Ihrer Organisation, die Umsetzungsfähigkeit und die Passung zur Stiftung.


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